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Nachtwanderung der Kasseler Jugend


Wo zwei oder drei... Immerhin drei Jugendliche haben sich für die lange Tour entschieden. Schon um 17 Uhr treffen sie sich an der Endhaltestelle Druseltal und beginnen mit ihrem Aufstieg. Währenddessen sitzen noch 25 andere an der Arbeit, in einem Café oder zuhause auf dem Sofa. Sie haben ja noch Zeit.

Um 17:15 Uhr ist das erste Stück des Anstieges geschafft. Die Straße ist kaum mehr zu sehen, man hört seinen eigenen Atem, das raschelnde, alte Laub unter den Füßen und einen Mäusebussard, der weit oben über dem Wald kreist. Der Frühling ist hier oben noch nicht eingekehrt. Einzelne Schneeflecken verbinden sich mit zunehmender Höhe zu Schneefeldern, die teilweise vereist sind. Vorbei an einem idyllischen See geht es weiter und weiter bergauf durch den Wald.

In den warmen Heimen der anderen Jugendlichen beginnt nun langsam das Packen der Rucksäcke. Warme Socken, was zu trinken und ganz wichtig: eine Taschenlampe. Außerdem wird langsam Schicht für Schicht der warmen Klamotten übereinander angezogen.

17:45 Uhr. Die Dreiergruppe erreicht den "kleinen Herkules". Dieser wurde als Probeexemplar des Kasseler Wahrzeichens bereits 1696 gebaut. Heute stehen nur noch einige Ruinen in dem Waldstück, dem man den Orkan "Emma" ordentlich ansieht. Ein guter Zeitpunkt für eine Pause. Rosinenbrot, Wasser und Minisalamis sind die perfekte Kost, um wieder zu Kräften zu kommen. Nun geht es nicht mehr bergauf, sondern der weitere Weg führt über einen Kamm bei etwa gleichbleibender Höhe hinüber zum großen Herkules. Die Pause dauert nicht allzu lang, auch wenn der Blick auf Kassel schon jetzt bezaubernd ist. Aber die Kälte zwingt zum weitergehen.

18:05 Uhr. Das erste Ziel, der Herkules, ist geschafft. Der Weg wurde den Dreien von einem lautlos zwischen den Bäumen fliegenden, fast weißen Greifvogel gewiesen. Vor dem Herkules stehend verharren sie einen Moment, beeindruckt von dem schon so oft gesehenen und immer wieder begeisterndem Panorama der Stadt Kassel. Der Treffpunkt mit den anderen ist erst um 19:00Uhr. Also eine Stunde zu früh. Sie beobachten, wie das Tageslicht zunehmend schwindet und die Lichter der Stadt immer heller strahlen.

18:45 Uhr: Treffpunkt Kassel West. Etwa 25 dick eingepackte Jugendliche und Jugendbetreuer treffen sich und verteilen sich auf die Autos. Um 19 Uhr sind sie mit den Autos am Parkplatz Herkules und können es kaum noch erwarten. Die drei Wanderer stoßen endlich hinzu. Um sich warm zu halten sind sie erst herumgelaufen und haben sich anschließend ein windstilles Plätzchen gesucht. Jetzt heißt es: Abmarsch. Richtung Eflbuchen.

Die Stimmung ist gut, durch die Bewegung friert keiner und der ein oder andere Schneeball fliegt durch die Luft. Plötzlich endet der ausgebaute Weg. Es geht links ab in den Wald, durch teilweise noch kniehohen Schnee. Der Wanderführer wird schon wissen, wo es lang geht. Dunkel, abschüssig und verschneit – den ein oder anderem Turnschuhträger wird das zum Verhängnis. Verletzt wurde aber keiner. Zwischendurch gibt es kleinere Stops, um die Gruppe wieder zusammen zu führen. Durch die Baumwipfel kann man schon wieder den Herkules sehen. Ein gutes Zeichen, wir haben uns nicht verlaufen!

Ein letztes Stück bergab durch den Wald und dann gibt es kein Bremsen mehr. Das Ziel, ein Restaurant am Fuße der Kaskaden, steht klar vor Augen. Pünktlich um 20:30 Uhr erreicht auch der letzte das wärmende Lagerfeuer. Die Kinder hatten uns schon alles vorbereitet. Sie machten sich schon wieder auf den Rückweg von ihrer Nachtwanderung. Alle fanden ein Plätzchen am Feuer oder am Grill. Würstchen, warme und kalte Getränke wurden nach der Wanderung gern von der überaus freundlichen Bedienung entgegengenommen.

Nach dem zweiten Würstchen kommen einige Jugendliche auf eine lustige Idee und nutzen die Langzeitsbelichtungsfunktion der Kamera, um mit ihren Taschenlampen Bilder zu malen. Das hat wirklich Spaß gemacht, auch für die Zuschauer. Kurz vor dem Anstieg zu den Autos singen alle noch ein Lied zusammen. Mit "Coffee" und "Bierchen to go" geht es anschließend den Weg hinauf zurück zum Herkules. Nach etwa der Hälfte an Höhenmetern wollen einige doch lieber die Kaskaden laufen, statt dem parallel verlaufenden Waldweg. Sie ziehen alle mit, nur dummerweise sind die Kaskaden nicht geräumt. So ist es teilweise eine Rutschpartie bergauf, die aber für viele Lacher sorgt. In einer kleinen Gruft unterwegs, singen einige noch einen Gospel. Die Akustik ist der Wahnsinn. Alle schaffen die letzten Stufen und den Weg zurück zum Parkplatz. Auf die Autos verteilt geht es zurück nachhause. Eine tolle Nachtwanderung mit superguter Stimmung geht zuende.

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